Scherpenheuvel-Zichem: Basilika Unserer Lieben Frau
Wer von Löwen, also vom Westen auf der N2 (Leuvensesteenweg) kommt, erkennt schon aus der Entfernung von mehreren Kilometer ein imposantes Bauwerk. Und doch erscheint die Basilika von Scherpenheuvel aus nächster Nähe vielleicht kleiner als erwartet – das tut dem Eindruck aber keinen Abbruch. Die barocke Liebfrauenkirche ist eines der bedeutendsten Ziele flämischer Wallfahrer. Sie entstand als älteste Kuppelkirche der historischen Niederlande auf Initiative des Regenten-Paares Albrecht VII. und Isabella, und wurde wenige Jahre nach seinem Tode im Jahre 1627 der Muttergottes geweiht. Albrecht, Schwiegersohn Philipps II. von Spanien und Bruder Kaiser Rudolfs II. und seine Gattin waren bedeutende Kunstmäzene in einer Zeit, in der die südlichen Niederlande nach Bildersturm, Spaniens Herzog Albas Krieg gegen die protestantischen Aufständischen und dem Konflikt mit der nördlichen Republik der Vereinigten Niederlanden zur Ruhe kamen, sich wirtschaftlich erholten und die Bevölkerungszahl anstieg. Als Architekt der Liebfrauenkirche wirkte der Flame Wenceslas Cobergher, der sich zugleich einen bedeutenden Namen als Maler, Altertumsforscher, Antik-Numismatiker und Wasserbauingenieur machte: ein Universalgenie der Spätrenaissance, der seine Fähigkeiten recht stark seinen Italien-Aufenthalten verdankte (was wiederum zeigt: ungeachtet der Kirchenspaltung, der Kriege und Krisen gab es ein Abendland im künstlerisch-kulturellen und geistlichen Sinne).
Seit 1922 trägt die Kirche den Titel einer Basilica minor.
Benedikt XVI. verlieh dem Wallfahrtsort im Jahre 2011 eine hohe Auszeichnung: die Goldene Rose. Dabei handelt es sich um einen aus vergoldetem Silber geschmiedeten Strauß aus sechs Rosenzweigen mit sechs Blüten, die mit duftenden Balsamen und Moschus gefüllt sind. Das Gold symbolisiert die Auferstehung Christi, die Dornen stehen für die Passion.
Warum gilt die Basilika als das „meistbesuchte Wallfahrtsheiligtum Belgiens“? Eine Marien-Statuette war von ihrem angestammten Platz in einer Eiche heruntergefallen. Ein Hirte hob das Heiligenbild auf, um es mit nach Hause zu nehmen. Doch plötzlich konnte er sich nicht mehr bewegen. Erst als die Marienfigur wieder an ihren ursprünglichen Platz kam, endete seine Lähmung. Soweit die Legende, deren Wahrheitsgehalt nicht mehr überprüft werden kann. Jedenfalls suchten Angehörige von Kranken in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts jenen Ort als Gebetsstelle auf, indem sie ihn dreimal umrundeten.1 An dieser Stelle steht heute die Basilika.
Scherpenheuvel ist der meistbesuchte Wallfahrtsort Belgiens. Im Jahre 2022, nach Aufhebung der Corona-Einschränkungen, kamen ca. 600.000 Menschen hierher. damit zieht Scherpenheuvel mehr Pilger und Kunstinteressierte an als die Wallfahrtsorte Banneux in der Provinz Lüttich (220.000) und Beauraing in der Provinz Namur (200.000).
Quelle: https://www.vrt.be/vrtnws/de/2023/08/11/im-vergangenen-jahr-zaehlten-die-belgischen-wallfahrtsorte-mehr/
Zum Vergleich eine Zahl aus Deutschland: Altötting zieht alljährlich etwa eine Million Besucher an.
Ansicht von vorne
Ansicht von der Seite
Auf dem Kreuzweg
Kreuzwegstation
Eingang zum Kirchenraum
Eine Goldene Rose
Hauptaltar
Kuppel
Hauptaltar, seitlich
© Stefan Winckler