Stefan Winckler
Historiker und Buchautor

Martin Mosebach zum 75. Geburtstag

Von Dr. Stefan Winckler

Der Schriftsteller Martin Mosebach wird am 31. Juli 2026 75 Jahre alt. Alt? Man ist geneigt zu schreiben: jung, denn der Jubilar zeichnet sich nach wie vor durch eine hohe Produktivität aus. Alleine seit 2020 veröffentlichte er drei Romane: „Krass“, „Taube und Wildente“ und „Die Richtige“.

Er ist Frankfurter. Mosebach wurde im Stadtteil Sachsenhausen geboren, lebte als Kleinkind mit den Eltern im benachbarten Königsstein im Taunus, und seitdem im Westend (abgesehen von einem Aufenthalt in Bonn während des Studiums). 1980 entschied er sich für ein Leben als freier Schriftsteller. In Frankfurt sind auch viele seiner Romane angesiedelt, z.B. „Westend“ (1992), die Geschichte zweier Familien in drei Generationen zwischen 1950 und 1968. Diesen Roman sieht Mosebach als seinen wichtigsten an – und gesteht gleichzeitig ein, dass es der erfolgloseste war: „Die Veröffentlichung von »Westend« bedeutete den Tiefpunkt meiner Schreiberlaufbahn. Dieses Buch ist quasi nicht mehr rezensiert worden, ich habe meinen Verlag verloren und nach »Westend« große Schwierigkeiten gehabt, als Schriftsteller überhaupt weiterzumachen“.

Aussagen zur Kirche

Diese Offenheit kennzeichnet auch den Essayisten Mosebach, der sich im Sinne von Nicolás Gómez Dávila  im „Glauben an die Erbsünde, die Imperfektibilität des Menschen, die Unmöglichkeit, das Paradies auf Erden zu schaffen“ als Reaktionär bezeichnet – außergewöhnlich genug im deutschen Kulturbetrieb.
Mit dieser Definition des Reaktionärs sind wir bei Mosebachs Katholizismus angelangt. Sein Plädoyer für die Wiederzulassung Alte Messe („Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind“) sorgte für Aufsehen. Während Mosebach in Inhalt und Stil Vorbehalte gegenüber Papst Franziskus äußerte, würdigte er Papst Leo XIV. anlässlich dessen ersten Auftritts: traditionelle Papstkleidung, goldenes Vortragekreuz, liturgischer Gruß „Der Friede sei mit Euch“ statt dem „Bona Sera“ seines Vorgängers. Am nächsten Tag habe Leo eine „ganz christozentrische Predigt“ über den „Christus des Glaubensbekenntnisses von Nizäa und Konstantinopel“ gehalten. Dementsprechend lobte Mosebach die Ansprache Leos an die Vertreter der orthodoxen Ostkirchen kurz danach über die „Liturgie von einem Reichtum, einer Schönheit, einem rückhaltlosen Bekenntnis dazu“ in einer „Sprache, wie wir sie schon lange, lange nicht mehr gehört haben“ (vgl. https://de.catholicnewsagency.com/news/19967/bekannter-autor-martin-mosebach-papst-leo-xiv-sendet-klare-botschaft)

Orientalische Christen als Opfer des Islamismus 

In Bezug auf die nicht-fiktionale Literatur ist die Reportage „Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer“ (Reinbek: Rowohlt, 2018) eines der relevantesten Bücher Mosebachs, vielleicht sogar das wichtigste.  Er führte Gespräche mit den Hinterbliebenen jener orientalischer Christen, die die Terrororganisation „Islamischer Staat“ im Jahre 2015 nahe der libyschen Stadt Sirte gefangen genommen und ermordet hatte, und bringt zugleich dem Publikum die Koptische Kirche näher. Der koptische Patriarch Tawadros II. sprach die Opfer jenes Massenmordes eine Woche nach der Hinrichtung als Märtyrer heilig, Papst Franziskus nahm sie in das Römische Martyrologium auf.

Stil

Kritiker loben Mosebachs formale Fähigkeiten. In der Rezension zu seinem jüngsten Buch, dem Künstlerroman „Die Richtige“ war in der Süddeutschen Zeitung von einer „malerischen Sprache“ (26.3.2025) zu lesen. „Die Zeit“ fand „neue verblüffende Höhen seiner Schreibkunst erreicht“ (20.3.2025). Marianne Lieder schreibt in der „Welt“ vom 6.2.2021 über den Roman „Krass“: Mosebach spiele „raffiniert mit selbstparodistischen Momenten und Figurenprosa“, er scheine „konservative Töne und Stilelemente gleich selbst auf die Schippe zu nehmen. Erzählerisch konventionell, wie der immer wieder gehörte Vergleich des Autors mit Thomas Mann nahelegt, ist hier gleich gar nichts“.
Ähnliche Charakterisierungen des Mosebachschen Stils finden sich zuhauf und sind unter https://www.perlentaucher.de/autor/martin-mosebach.html nachzulesen.

Auszeichnungen

Schon 1980 erhielt er den Literaturförderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung, später den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, den Georg-Büchner-Preis, die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt und viele weitere mehr.




Reden von und Gespräche mit Martin Mosebach sind unter youtube, Martin Mosebach abrufbar, darunter auch zu „Die 21“.

Sehr ausführlich sind gerade auch die Wikipedia-Beiträge über Mosebachs Werke.


© Stefan Winckler



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