Besinnung am Dreiländereck bei Aachen: Moresnet mit Kalvarienberg und Marienkapelle
Die Fahrt geht in den äußersten Nordosten Belgiens. Dicht am Dreiländereck liegt das Dorf Moresnet-Chapelle, das auf einem traditionsreichen Pilgerweg von Aachen aus erreicht werden kann: Vom Aachener Dom ist diese Wallfahrtsstätte nur acht Kilometer entfernt. Die Strecke auf dem Nordrheinischen Jakobsweg, Weg 1, ist mit einer gelben Muschel auf blauem Grund ausgeschildert und führt weiter nach Lüttich.
Der Pilgerort Moresnet-Chapelle zieht Jahr für Jahr um die 150.000 Pilger an, auch aus Deutschland und den Niederlanden. Worauf gründet sich das?
Am Anfang stand die Heilung des Epileptikers Peter Arnold Frank Mitte des 18. Jahrhunderts. Seine Teilnahme an der Aachener Heiligtumsfahrt führte zu keiner Linderung. Als er jedoch einen Bildstock an einer alten Eiche mit einer Marienfigur errichtete, um alleine zu beten, ließen die Anfälle nach. Bauern beteten an dieser Stelle, nachdem Viehseuchen die Region erfasst hatten – das Dorf blieb verschont. Dies regte die Pilgerfahrten nach Moresnet an. Im Jahre 1823 weihten die Dorfbewohner eine Kapelle an Stelle der Eiche ein. 1831 erkannte die Kirche Moresnet-Chapelle als Wallfahrtsort an. Zunächst kümmerten sich Einsiedler um die Pilger.
Im Jahre 1875 fiel der Franziskanerkonvent in Aachen den Bestimmungen des preußischen Klostergesetzes zum Opfer: Es war die Zeit des Kulturkampfes in Deutschland. Auf belgischem Gebiet, in Moresnet-Chapelle, konnten die Franziskaner eine neue Niederlassung aufbauen. Genau zwölf Monate später übertrug ihnen der Bischof von Lüttich die Betreuung der Pilger. Die kleine Kapelle wurde abgerissen, eine größere Kirche im Jahre 1880 gebaut und geweiht.
Als sich die Beziehungen zwischen Staat und Kirche entspannten, kehrten die Franziskaner im Jahre 1887 nach Preußen zurück. An ihrer Stelle wirkten Jesuiten, denen jede Tätigkeit im Reich verboten blieb.
Nachdem die Franziskaner ihre Klöster in Preußen wieder mit genügend Mönchen „gefüllt“ hatten, kamen sie 1894 erneut nach Morisnet, während die Jesuiten den Ort verließen. Zu den ersten großen Vorhaben der Franziskaner zählte die Errichtung des Kreuzwegs mit den üblichen 14 Stationen in einem botanischen Garten. Die Stationsbilder schuf der sehr renommierte Kölner Bildhauer Wilhelm Albermann. Im Jahre 1903 waren die Arbeiten abgeschlossen. „Die parkähnlich angelegte Kreuzweganlage zählt zu den schönsten ihrer Art in Europa und wird alljährlich von vielen Pilgern besucht, die hier den Leidensweg des gekreuzigten Herrn im Gebet nachvollziehen“1, heißt es auf der Webseite. Ebenda ist ausführlich nachzulesen, welche Pflanzenvielfalt auf zweieinhalb Hektar dieses Kalvarienbergs gedeiht. Hinter der zwölften Station befindet sich ein kleiner Friedhof für Franziskanerbrüder und -patres.
In der Gnadenkapelle (1991) fällt der Blick auf das historische Gnadenbild „Unserer lieben Frau von Moresnet“ mit dem Jesuskind, eine 24 Zentimeter hohe Terrakotta-Statuette aus dem Jahre 1750.
Nachdem der Franziskanerorden, wie andere geistliche Gemeinschaften auch, immer mehr schrumpfte, war die örtliche Pfarrgemeinde gefordert, bis 2014 die in Maastricht beheimatete Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe die Betreuung der Wallfahrer übernahm.
Hier bietet sich die Gelegenheit, die acht Kilometer nach Aachen zurückzulegen. Die Strecke auf dem Nordrheinischen Jakobsweg, Weg 1, ist mit einer gelben Muschel auf blauem Grund ausgeschildert.
Aachen steht mehr als jede andere deutsche Großstadt für das Frankische Reich, auch Karolingerreich genannt, das die heutigen Gebiete von Belgien, den Niederlanden, den größten Teil Deutschlands und Frankreich umfasste. „Oche“, wie die westlichste deutsche Großstadt im „Aachener Platt“ heißt, war die bevorzugte Residenz Kaiser Karls des Großen und Krönungsort der römisch-deutschen Könige über den langen Zeitraum von 600 Jahren, von 936 bis 1531.
Dom und Domschatz stehen als erste deutsche Objekte seit 1978 auf der UNESCO-Welterbeliste. Ausführliche Beschreibung des Doms: Aachener Dom – Wikipedia
Der Domschatz: Aachener Domschatzkammer – Wikipedia

